Wie sich Spaniens Amtsträger ins rechte Licht rücken
In allen Provinzen Spaniens war die Phalanx der politischen Amtsträger die vergangenen Tage schwer beschäftigt. Sie zogen Vorhängchen beiseite, durchschnitten Bänder, legten Grundsteine, schippten Sand.
Sie alle wollten noch einmal, denn ab jetzt dürfen sie nicht mehr. Bis zum 22. Mai. Dann finden in Spanien die Kommunalwahlen statt, in 13 der 17 Autonomen Regionen außerdem die Autonomiewahlen (was den Landtagswahlen in Deutschland entspricht).
Um noch einmal feierlich in die Kameras grinsen und sich auf die Schulter klopfen zu dürfen, musste alles herhalten, was – egal wie – unter die Werbetrommel passte. Vom neuen Flugterminal, über den automatisch drehbaren Stuhl für die Nierendialyse bis zur Straßenlaterne. Wenn es gar nichts anderes gab, eröffnete man eben eine Ausstellung.
Oder man stürzte sich hektisch auf halbfertige Vorzeigeprojekte. Ob das Metropol Parasol in Sevilla, Galiciens größtes Kulturzentrum El Ágora in A Coruña oder der neue Flügel des Krankenhauses Clínico San Carlos in Madrid – überall sind noch die Bauarbeiter zugange. Die wurden mal eben beiseite geschoben, und haste nicht gesehen: eingeweiht!
Den Vogel schoss Carlos Fabra, der Kreistagspräsident von Castellón, ab. In der valencianischen Provinz eröffneten er und Valencias Ministerpräsident Francisco Camps einen Flughafen, für den nicht einmal die Betriebsgenehmigung beantragt wurde.
Dazu Fabra: „Wer sagt, dass wir verrückt seien, einen Flughafen ohne Flugzeuge einzuweihen, hat nichts verstanden. In den nächsten eineinhalb Monaten kann jeder Bürger dieses Terminal besichtigen oder auf den Landebahnen laufen, was man nicht machen könnte, wenn dort Flugzeuge starten oder landen würden.“
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