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Über dem Wasser

Geschrieben steht: „Im Anfang

war das Wort,

und das Wort

war bei Gott,

und Gott war das Wort.“


Und Gott sprach,

und es war.

Aber da

war das Wort

nicht mehr bei Gott,

nicht mehr im Anfang

und nicht mehr:

Das Wort.


Es war

in der Welt,

in der Zeit.

Und es verstummten

zu viele Antworten

auf zu viele Fragen.


Aber Du, Gott, auf ein Wort:

Was wird

im Ende sein?

11.11.2009

Jeden 11.11. und jeden 2.2. gibt es dieses “Lichtwunder” in der Kathedrale von Mallorca zu bestaunen. Die Sonne wirft ihr Licht durch die Hauptrosette über dem Presbyterium auf die Wand am Ende des Kirchenschiffes und projiziert deren Farben unter die Rosette über dem Hauptportal. Dieses einzigartige Naturschauspiel kann/könnte man auch die Tage danach noch betrachten. Aber das Domkapitel lässt an diesen beiden Tagen die Kathedrale extra früher öffnen (gegen acht Uhr morgens und Eintritt frei), damit alle, die es wollen, diese Lichterscheinung bewundern können.

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Geständnis

Deine Fragen treffen

ins Schwarze, voll daneben

meine Antwort

würde alles erklären,

mein Schweigen

verrät mehr.

Lied der Fischer

Alles ist alt

und Neues ist neu,

und auf und ab tanzt die Nadel,

wenn wir die Reusen flicken,

tanzt mit ihr der Sand

um unsere Füße,

und an den Gestaden

stirbt ewig die See.

Doch wir fahren hinaus.


Auf der Haut

klebt der Schweiß

klebt das Salz im Wind, die Wellen

spülen die Sonne hinter den Horizont,

wo sie untergeht,

tragen uns schwankende Schalen:


Wir kehren nicht zurück

zum Morgen,

das vermögen

nicht einmal die Helden,

und Helden sind wir nicht.

Wir sind Fischer und treiben

über die See,

und kein Tropfen ist greifbar, weil:

was die Hand nicht erkennt,

das fasst sie auch nicht.


Einst stiegen die Kalamare

unserem Licht entgegen

umarmte sie der Tod:

so erzählen es die Alten.


Wir aber werfen die Hoffnung aus

und fangen die letzten Dinge,

die uns das Meer noch schenken mag,

denn die Strömung sammelt,

was der Mensch nicht mehr braucht,

und gesunken ist

der goldene Drache. Kein Heil!


Doch dann

und wann treibt uns

auf einer morschen Planke ein träumender Tiger

ins wasservolle Netz.

Am Rande

Und die Sterne stauben doch

durch das Netz der Augen

fällt eine Tränenschnuppe

verschwimmt das All

am Rande


eines Gedenkens

dehnt sich ein Wunsch aus

ertönt das Echo eines Urknalls –

es könnte auch ein Schuss

gewesen sein

Wolkenleuchten

Wolkenleuchten

Totenmontag

Unsere Gräber stehen schon

nicht mehr in voller Blüte.

Ein leerer Geist

streicht durch die Vorstadt,

das Leben haucht

in Mülltonnen aus.


Eine Katze aast,

ein Hund heult:

wenn einer geht

bleibt jemand zurück.

Sonntag

leon2

Wellenweise

Am Meeresgraben

ließen wir Träume über der Tiefe baumeln

ich schenkte dir ein Diadem

aus Luftperlen


im Glanz des Meeresspiegels

sonnten wir unser Glück

und gaben es hin in Laune und Lust

leise und wellenweise


im großen Spiel

triebst du ortlos

sank ich ziellos

zogen Stunden herab wie Blei


auf dem Grund des Ozeans

den der Zufall

unter dem Herzen fand

vergaß ich was war


zwischen Wellenberg und Wellental

begegneten wir uns wieder

fern funkelte eine Krone aus Schaum

tanzte in der Brandung

Als ich erwachte

Ich kam zu dir

am Meeresgrund

öffnete die Augen

sah den Luftblasen zu

wie sie herabstiegen

erfreute mich

an ihrem Wellenspiel

ließ eine Melodie

durch mein Gedächtnis tanzen

und sonnte mich im Glanz

des Wasserspiegels

zufrieden

schloss ich die Augen

tauchte tief

in der Dunkelheit

trieb zeitlos und ohne Ort

und als ich erwachte

hatte ich alles vergessen

du hast es mir

später erzählt

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